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Aktuelle Neuigkeiten unserer Volkshochschule

Zwischen Pinguinen und dem ewigen Eis

Erstellt von Benedikt Dellert |

In der Antarktis-Forschungsstation Neumayer III hält ein Koch aus Grub am Forst die Bewohner mit seinem Essen bei Laune. Ein Einblick in eine besondere Arbeitswelt und einen ebenso besonderen Lebensraum, den er nach seiner Rückkehr 2023 mit Interessierten in einem Vortrag bei der Volkshochschule Coburg teilen will.

Bis November ist es noch eine lange Zeit. Werner Hofmann freut sich dennoch bereits darauf. Dann wird der Koch auf der Neumayer III endlich wieder eine Lieferung mit Salat, Gemüse, Obst und Eiern erhalten.

Die letzte kam im Februar, die frischen Lebensmittel sind längst verbraucht. Nur ein paar Äpfel und Orangen sind noch da – und natürlich die lange haltbaren und tiefgekühlten Vorräte. Mal eben in den Supermarkt gehen – für den 60jährigen unmöglich.

Werner Hofmann aus Grub am Forst ist Koch auf der vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis. Dort gehört er seit Dezember 2021 zur neunköpfigen Überwinterungscrew, bestehend aus einer Medizinerin, einer Ingenieurin, zwei Geo-Physikerinnen, einem Luftchemiker, einen Meteorologen, einen Elektro-Ingenieur, einen Funker und natürlich Werner als Koch.

Erst Anfang Februar 2023 geht es für ihn und seine Mitbewohner zurück nach Hause. Dann wird er bereits den nächsten Saison-Koch eingearbeitet haben. 14 Monate im ewigen Eis, fernab jeglicher Zivilisation – diese Erfahrung hat Werner gereizt. Die Jahre zuvor hat er im Daimler Forschungszentrum in Ulm als Küchenleiter gearbeitet und dort die Mitarbeiter in der Kantine bekocht. "Mir fehlte am Schluss die Motivation und es ist mir schlichtweg zu langweilig geworden. Deshalb musste etwas Neues her."

Durch eine Stellenausschreibung auf dem Jobportal Indeed erfuhr er von der Stelle in der Antarktis. "Durch die Stellenausschreibung bin ich neugierig geworden." Schließlich hat es geklappt und Werner stand vor dem Abendeuer seines Lebens. Dort kochen wo es außer Eis und Schnee nicht viel gibt. Einen kleinen Einblick in die anstehenden Aufgaben und die Gefahren lernte die neue Besatzung in einem viermonatigen Crashkurs kennen. Dort gab es dann auch das erste Kennenlernen des neuen Überwinterungsteams.

"Veganer, Vegetarier und Lactoseintolerante"

In dieser Vorbereitungsphase in Bremerhaven schickte Werner auch seine erste Bestellung von Lebensmittel los. Der Proviant wurde dann in riesige Containern verstaut. Anfang Januar 2022 kam das Essen mit dem Forschungseisbrecher "Polarstern" in der Antarktis an. Eine Jahresbestellung besteht aus mehr als 60 Tonnen Lebensmitteln, darunter 1500 Liter Milch, fast eine Tonne Kartoffeln und Tausenden Eier.

Natürlich konnte Werner bei der Vorbereitung auf die Erfahrung seiner Vorgänger zurückgreifen. Aber er berücksichtigte auch die Essensvorlieben seiner neuen Kollegen. "Das Veganer, Vegetarier und Lactoseintolerante mit im Team sind, macht das Ganze sicherlich nicht einfacher. Aber ich sehe das als Herausforderung und nicht als Belastung", sagt der 60jährige.

Der Speiseplan der Überwinterungs-Crew ist nicht genau getaktet, darum kann sich Werner beim Kochen austoben, was auch der Crew gefällt. Seine Mitüberwinterer sind bisher mit seinen Gerichten zufrieden gewesen, was natürlich wichtig ist für die Stimmung an Bord.

Im antarktischen Sommer müssen bis zu 60 Bewohner versorgt werden und bei dieser Anzahl steht der Koch von früh bis abends in der Küche. Die meisten von ihnen sind inzwischen längst wieder zuhause bei ihren Familien, geblieben sind nur die wenigen Überwinterer. Dadurch haben sich auch die Aufgaben von Werner geändert. Er ist natürlich immer noch Koch, aber auf Grund der nun wenigen Bewohner bleibt Ihn mehr Zeit für Anderes.

Als leidenschaftlicher Motorradfahrer und technisch versierter Typ hilft er dabei die Skidoos in Stand zu halten und unterstützt die Ärztin. Dafür hat Werner eine zusätzliche Ausbildung in der chirurgischen Notaufnahme und der Anästhesie des Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven erhalten. „Da meine Kenntnisse in der Medizin natürlich minimal sind, begrenzen sich meine Aufgaben auf Blutabnehmen, EKG anlegen und der Wundversorgung.“ Außerdem gehört eine medizinische Studie der Charité mit zu den Aufgaben im medizinischen Bereich in der Neumayer-Station.

In der Freizeit schaut er zusammen mit der Crew Filme, spielt Billard, geht in die Sauna oder genießt bei kleinen Ausflügen die atemberaubende Schönheit der Antarktis. „Es gibt aber auch die Möglichkeit sich jederzeit zurückzuziehen und mit dem Satellitentelefon mit der Familie zu telefonieren.“ Eher schwieriger ist es mit dem Internet, das vor allem für das Übertragen von Forschungsergebnissen genutzt wird und bei weiten nicht die Geschwindigkeit erreicht, wie man das gewohnt ist.

Im beginnenden antarktischen Winter ist die Neumayer-Station III neun Monate komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Lieferungen sind dann weder per Flugzeug noch mit dem Schiff möglich.

"Gestern haben wir die letzte Ananas gegessen. Jetzt bleiben uns noch ein paar Äpfel und Orangen", sagte Werner. Hunger leiden muss auf der Neumayer III aber niemand, denn es sind noch genug haltbare Vorräte im Kühlraum.  Besonders gefreut hat sich Werner über die vielen Freunde und Bekannten, die am Onlinevortrag der Volkshochschule teilgenommen haben und von Dr. Tim Heitland vieles über die Forschungsstation Neumayer III und deren Aufgabe erfahren haben. Am 15.Mai gibt es einen weiteren Kurs der vhs Böblingen-Sindefingen mit dem Titel: Wie ist es, in der Antarktis zu überwintern? Infos und Anmeldung auf der Website www.vhs-aktuell.de.