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Aktuelle Neuigkeiten unserer Volkshochschule

Der Schutz des Lebensraums hat die höchste Priorität

Erstellt von Benedikt Dellert |

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Zugvögel sind deutlich zu erkennen. Und eine lange Zeit, um sich an die Veränderungen anzupassen, haben die Arten nicht, das zeigte der Vortrag von Prof. Dr. Franz Bairlein, welchen die vhs Coburg in Kooperation mit dem Europe Direct, dem LBV Coburg und dem BUND Naturschutz im Naturkundemuseum Coburg veranstaltete.

Für die Zugvögel ist der Klimawandel besonders bedrohlich, denn er verfolgt sie an mehreren Orten: an ihren Brutplätzen, in ihrem Überwinterungsgebiet und an den Rastplätzen entlang ihrer Zugrouten. Wie Prof. Dr. Bairlein am Dienstag ausführte, zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass der Klimawandel Veränderungen in verschiedenen Bereichen für die Vogelwelt mit sich bringt: bei Zugzeiten und Brutbeginn, beim Zugverhalten, bei der geografischen Verbreitung und der Entwicklung der Population.

Viele Zugvögel kehren im Frühjahr mehrere Wochen früher aus ihren Winterquartieren zurück als noch vor Jahren, manche ändern ihre Abzugszeiten im Herbst, wodurch sich teilweise eine verlängerte Aufenthaltsdauer im Brutgebiet ergibt. Auch die Brut beginnt immer früher. Zum einen liegt die frühe Heimkehr an den steigenden Temperaturen in Afrika, zum anderen am abnehmenden Regen an der Mittelmeerküste. Die Vögel rasten nur noch kurz und fliegen schnell gen Norden weiter.

Die an Wärme angepasste Brutvogelarten Europas zeigen in den letzten Jahrzehnten eine grundsätzlich positivere Entwicklung ihres Bestandes als jene Arten, die an atlantische oder alpine Lebensräume angepasst sind. Die Ausbreitung nach Norden von Arten südlicher Breiten wie Wiedehopf oder Bienenfresser nimmt zu. Dabei vergrößert sich jedoch nicht deren Verbreitungsgebiet, denn durch heftige Trockenheit im Süden gehen geeignete Lebensräume verloren. Durch die Ausbreitung kommt es also zu Veränderungen der lokalen Vogelgemeinschaften. Konkurrenzen um Nahrung und Brutplätze mit angestammten Vögeln oder die Begegnung mit unbekannten Feinden sind somit denkbar.

Prof. Dr. Franz Bairlein vom Institut für Vogelforschung misst dem Schutz des Lebensraums insgesamt die höchste Priorität bei, um auch die Folgen des Klimawandels für die Zugvögel abzumildern. Zwar sei dieser für die massiven Veränderungsprozesse, denen Zugvögel ausgeliefert seien, oft nicht hauptverantwortlich, aber er komme verstärkend hinzu, wenn etwa Rast- oder Brutgebiete verschwinden. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Ramsar-Konvention zeigt einen weltweiten Verlust von Feuchtgebieten um mehr als ein Drittel von 1970 bis heute. Die Ramsar-Konvention bezeichnet das Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel.

Der erforderliche Klimaschutz ist weltweit und in Deutschland unvermeidlich und muss laut Prof. Dr. Bairlein Hand in Hand gehen mit dem Naturschutz. Man müsse nicht nur den Menschen, sondern auch Zugvögeln und anderen Arten helfen, sich anzupassen.

Der Bienenfresser ist auf dem Vormarsch und kein so seltener Anblick mehr in Deutschland. Von wenigen Jahren musste man noch weit in den Süden fahren um ihn zu beobachten. Foto: pexel / Ishara Kasthuriarachchi
Prof. Dr. Franz Bairlein vom Institut für Vogelforschung.
29.02.24 04:19:03