Worauf es bei der Ernährung ankommt

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Was hat es mit Superfoods auf sich? Wie schlimm ist Fett in der Nahrung? Und muss man komplett auf Zucker verzichten? Unsere Ernährungsexpertinnen Anna Burkon und Laura Mechtold erklären, wie man eine ausgewogene Ernährung im Alltag umsetzen kann und welche Ernährungstrends und -mythen man getrost vergessen kann.




Die Ernährung hat entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Worauf es dabei ankommt, erklären unsere Expertinnen im Interview:

Du bist, was du isst – stimmt das?

Burkon: Natürlich: Mit dem, was wir essen, bildet und versorgt der Körper unsere Zellen. Es ist erwiesen, dass Zellwände und Blutgefäße durch minderwertige Nahrung starrer werden und ihre Funktion nicht mehr so gut erfüllen können.

Wie sehr beeinflusst unsere Ernährung unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden?

Mechtold: Sie beeinflusst uns sehr, da sich eine ausgewogene Ernährung auf den ganzen Körper auswirken kann. Rein äußerlich ist der Teint zum Beispiel frischer, außerdem fühlt man sich fitter und vitaler, wenn man sich gesund ernährt. Doch auch für unseren Körper per se ist es wichtig, dass wir ihn mit den wichtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgen. Dieses Bewusstsein ist meist der Knackpunkt, da man die Auswirkungen „falscher“ Ernährung auf seine Organe ja nicht gleich spürt. Anders wäre es, wenn man zum Beispiel Schmerzen hätte, wenn man sich wieder einmal mit zu vielen Süßigkeiten oder zu viel Fastfood vollgestopft hat. Dann wären viele Menschen eher bereit, ihre Ernährung zu verändern. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Kost geht nämlich auch schlanke Menschen etwas an und nicht nur diejenigen, die sich Fettdepots für die nächsten kalten Winter angefuttert haben.

Burkon: Auch für die Darmgesundheit ist die Ernährung entscheidend: Eine praktische Studie hat gezeigt, dass sich nach drei Tagen Fast Food die Darmbakterien um 40 Prozent verringert hatten. Darmbakterien mögen nämlich frische und unverarbeitete Lebensmittel. Zudem lassen sich viele entzündliche Erkrankungen durch die richtige Ernährung positiv beeinflussen, zum Beispiel Neurodermitis oder Schuppenflechte. Die Kurkuma-Wurzel etwa ist ein Lebensmittel, die den Körper veranlasst, antientzündliche Stoffe zu bilden.

„Superfoods“ sind ja zurzeit in aller Munde – aber was ist das genau und warum ist das so ein Trend?

Mechtold: Superfoods sind pflanzliche Lebensmittel, also Gemüse, Obst und Nüsse, die besonders große Mengen gesundheitsfördernder Stoffe enthalten, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Gehypt werden vor allem die Exoten: Accai- oder Goji-Beeren, Matchapulver oder Chiasamen. Das ist etwas Neues, Besonderes, das macht den Trend. Was viele nicht wissen: Die gesundheitsfördernden Stoffe stecken genauso in vielen heimischen Produkten, zum Beispiel in Walnüssen und Haselnüssen, roter Bete, Karotten, Himbeeren, Erdbeeren oder Blaubeeren, in Tomaten oder Spinat. Und die heimischen Produkte haben im Gegensatz zu den Exoten viele Vorteile: Sie schonen zum einen den Geldbeutel und die Umwelt, weil die Transportwege kürzer sind - man kann sie sogar selbst anbauen – und zum anderen hat man nicht das Risiko von Pestizid- oder Mineralölbelastung, das bei Produkten aus Ländern mit niedrigeren Umwelt- und Lebensmittelstandards besteht.

Wird denn sofort alles super, wenn man ein paar Superfoods einwirft?

Mechtold: Natürlich nicht. Ein nur gelegentlicher Verzehr von Superfoods vollbringt keine Wunder und ersetzt keine ausgewogene Ernährung. Als regelmäßiger Bestandteil sind Superfoods aber – vor allem eben die heimischen – wertvolle Nährstofflieferanten.

Ernährung ist ja nicht nur, was man isst, sondern auch, was man nicht isst. Auf Fett zum Beispiel sollte man lieber generell verzichten, oder?

Burkon: Jahrelang galt Fett als Dickmacher und war verpönt, wurde aus vielen Diäten komplett gestrichen. Jetzt hat man aber erkannt, dass natürliche Fette und Öle ein wichtiger Bestandteil der Ernährung darstellen sollten, denn sie haben viele heilende Eigenschaften und versorgen unsere Nervenzellen und unser Gehirn. Enthalten sind sie zum Beispiel in Mandeln, Walnüssen, in Avocados oder Kokos- und Olivenöl. Wertvolle Omega-3-Fettsäuren stecken zum Beispiel in Lachs, Leinöl oder Chiasamen. Sie wirken entzündungshemmend, können sich positiv auf das Hautbild, das Herz- Kreislaufsystem und die Psyche auswirken. Auch Butter, besonders Biobutter, ist ein natürliches Produkt, das ich persönlich jederzeit dem Industrieerzeugnis Margarine vorziehe. Butter in Maßen, etwa ein paar Flöckchen ans Gemüse für den Geschmack, ist durchaus in Ordnung.

Was ist nicht so in Ordnung?

Burkon: Transfettsäuren – die stecken in allem, was frittiert wurde oder knusprig ist, zum Beispiel Chips, Croissants oder Donuts, außerdem alles, was eine Glasur hat, zum Beispiel Schokoladenglasur. All das wird nicht mit guten Fetten oder Ölen gemacht, sondern mit minderwertigen, stark verarbeiteten Fetten.

Wenn Fett nicht generell schlecht ist – was ist dann mit Zucker?

Mechtold: Auch Zucker ist nicht generell schlecht: Zucker an sich ist Nahrung für unser Gehirn. Das braucht Glukose, also Traubenzucker, um zu funktionieren. Deshalb sollte man nicht komplett auf Kohlenhydrate, dazu gehören ja die Zucker, verzichten. Wie bei den Fetten kommt es aber auf die Art an: Einfachzucker, wie etwa Frucht- und Traubenzucker, liefern schnell Energie, aber sättigen nicht lange. Sie lassen unseren Blutzucker sehr schnell ansteigen und ebenso schnell wieder abfallen. Folge können dann Heißhungerattacken sein und dann futtert man meist, was einem gerade in die Hände fällt. Sie stecken zum Beispiel in mit Zucker gesüßten Limos, aber auch in vielen Fertigprodukten. Dort verstecken sie sich dann hinter Begriffen wie Glukose- oder Fruktosesirup. Zweifachzucker, wie Haushaltszucker oder Milchzucker, verarbeitet der Körper ebenfalls schnell. Gut dagegen sind Mehrfachzucker, wie sie in Getreideprodukten, Kartoffeln, Obst und Gemüse stecken. Das macht lange satt, weil der Körper viel länger braucht, um die Zuckerketten zu zerlegen, außerdem enthalten diese Lebensmittel auch Ballaststoffe, die die Verdauung und den Magen-Darm-Trakt unterstützen.

Burkon: Es ist immer sinnvoll, seine Kohlenhydrataufnahme zu überdenken, gerade was Weißmehl und Zucker betrifft. Auch wenn man nicht zur Gewichtszunahme neigt – sogar als schlanker Mensch kann man eine Diabetes Typ II entwickeln. Bei Brot und Nudeln macht es deshalb Sinn, auf eine Portion pro Tag zu reduzieren. Kartoffeln dagegen sind ein sehr basisches Gemüse, sehr magengesund, die würde ich nie von meinem Speiseplan streichen.

Süßigkeiten muss man also komplett weglassen, wenn man sich gesund ernähren will?

Mechtold: Nein, das ist Quatsch. Einen Komplettverzicht hält niemand durch. Eine kleine Portion Genuss – in Maßen natürlich – darf man sich schon genehmigen.

Burkon: Nie wieder Naschen – das funktioniert eh nicht. Ernährung hat immer viel mit Psyche und Emotionen zu tun. Jeder kennt das doch: Das Lieblingsgericht aus der Kindheit oder das Stück Schokolade zur Belohnung, auf das man sich freut. Von strikten Diäten halte ich sowieso nichts. Es ist viel besser, sich zu überlegen, was man wann, wo, mit wen und warum isst und bewusster zu werden.

Wie schaffe ich das im Alltag – gesünder und bewusster essen?

Burkon: Ich rate immer dazu, sich einen Plan zu machen, aufzuschreiben, wann ich wo sein werde, wo ich essen werde. Bekomme ich vor Ort, etwa in der Kantine, etwas Gutes, Gesundes, oder sollte ich mir etwas mitnehmen? Wenn ich mit meinen kleinen Töchtern im Auto unterwegs bin, habe ich immer zuckerfreie Getränke und eine Dose mit Nüssen und Trockenobst dabei, weil ich weiß, dass es an der Raststätte nichts Gutes gibt. Oder wenn ich mittags zum Pizzaessen verabredet bin, plane ich für morgens und abends etwas ohne Weißmehl zum Ausgleich. Außerdem sollte man versuchen, auf Fertigprodukte zu verzichten – statt fertigem Fruchtjoghurt lieber Naturjoghurt kaufen und Früchte oder selbstgemachte Marmelade reintun.

Mechtold: Mit kleinen Schritten anfangen: Zum Anbraten ein hochwertiges Pflanzenöl, beispielsweise Rapsöl, anstatt Butter oder Schmalz verwenden. Und versuchen, jeden Tag Obst und Gemüse zu essen. Damit hat man schon viel gewonnen.

Die Ernährungsexpertinnen:

Anna Burkon ist selbstständig als ganzheitliche Ernährungsberaterin, Fachberaterin für Darmgesundheit und Neurodermitistrainerin. Die 32-Jährige Coburgerin berät unter anderem zu Basenfasten, Detox und Kinder- und Säuglingsernährung. An der Volkshochschule bietet sie Vorträge zu den Themen Verdauung und Darmgesundheit, Nahrungsintoleranzen, Haut- und Autoimmunerkrankungen, Ernährung im Alter sowie zu gesunden Fetten an.

Laura Mechtold ist gelernte Diätassistentin und im Medical Park Bad Rodach im Bereich Küche und Ernährungsberatung tätig. An der Volkshochschule bietet die 23-Jährige aus Coburg Vorträge zu den Themen Superfoods, Zucker und Kinderernährung an; zudem gibt sie an der vhs Kochkurse zur den Themen gesundes Frühstück, Fit im Berufsalltag oder Kinderküche. Am 6. Juli etwa kann man mit ihr in der Lehrküche der Volkshochschule lernen, wie man ein gesundes Pausenbrot zubereitet und den Nachwuchs für gesunde Mahlzeiten begeistert.

Bild: In roter Bete, Heidelbeeren und Chiasamen steckt jede Menge Gutes – und die Kurkumawurzel wirkt sogar entzündungshemmend. Haushaltszucker, Schokolade und Weißmehl sollten dagegen nicht so oft auf dem Speiseplan stehen. Ab und an eine Portion Genuss darf man sich aber gönnen, sind sich die Ernährungsexpertinnen Laura Mechtold (links) und Anna Burkon einig. Foto: Hegner/vhs


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